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Der Militärmusik den Marsch blasen! Bericht vom Protest am 20.2.09 vor der Lokhalle

Posted in Proteste in Göttingen on 24. Februar 2009 by amipgoe

Wie bereits im letzten Jahr fand am Freitagabend (20. 2. 2009) in der Lokhalle Göttingen ein Aufmarsch von Militaristinnen und Militaristen statt. Zu Protesten gegen die „Internationalen Militärmusikparade 2009“ riefen Gruppen und Personen aus dem antimilitaristischen Spektrum auf, um das zunehmenden Eindringen des Militärs in die zivile Öffentlichkeit zu kritisieren. Die Protestierenden fordern von den verantwortlichen Lokalpolitikern, die Lokhalle bestimmungsgemäß nur noch zivil zu nutzen.

Etwa 75 Personen beteiligten sich mit Transparenten, Flugblättern und interaktivem Straßentheater an der Begleitung des Aufmarschs. Die BesucherInnen der Veranstaltung wurden von dem so gar nicht marschmusikalischen Beat-the-Army-SoundSystem empfangen. Die DemonstrantInnen machten klar, dass auch MusiksoldatInnen Teil der kämpfenden Truppe sind und dass die tönenden Auftritte von Militär der Akzeptanzbeschaffung für die nächsten Kriege dienen.

Ein antimilitaristisches Befriedungsteam suchte die BesucherInnen mit modernstem technischem Gerät nach anhaftenden Militarismuspartikeln ab, um diese sicher wegzupuscheln. Ihr Ziel war, das Gefährdungsniveau in der Lokhalle zu senken, da gerichtlich festgestellt wurde, dass diese nicht befriedet sei. Eine andere Aktionsgruppe ist mit thematisch passenden Masken aufgetreten – Gasmasken, Monster, Verwundete symbolisierten die Realität von Krieg und Militär.

Die Parade selbst verlief dann auch nicht ungestört. Gleich nach Einmarsch der ersten Truppe sprangen zwei AktivistInnen von den Sitzen, enterten das Parkett und entrollten ein Transpi vor dem Dirigenten. Die Security rückte an und entfernte eine Aktivistin mit Tritten und Ziehen an den Haaren von der Bühne – ein unübersehbarer Gewalteinsatz vor dem gesamten Publikum. Der andere Aktivist schlug derweil Haken, hüpfte und krabbelte mit pinker Perücke ausstaffiert durch die stillgestandene Kapelle, die Security immer hinterher. Das Publikum, übrigens deutlich weniger als im letzten Jahr, blieb ruhig und nur wenige applaudierten, als auch der zweite Aktivist vom Parkett gebracht wurde.

Schon letztes Jahr gab es Proteste gegen den Aufmarsch musizierender Truppen. Nicole Klammer (Chefin der Lokhalle) zerrte daraufhin einen Aktivisten wegen angeblichem Hausfriedensbruch vor Gericht. Erfolglos, das Verfahren endete mit Freispruch, weil Richter und Staatsanwältin schließlich feststellten, dass der Eingangsbereich zur Lokhalle während der Militärmusikveranstaltung nicht befriedet war.

Begonnen hatten die Proteste bereits drei Tage vorher, AktivistInnen färbten das Kriegsdenkmal am Weender Tor pink ein und nutzten es zur Mobilisierung: http://de.indymedia.org/2009/02/242323.shtml (dort auch weiterer Bericht).