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Kein ruhiges Hinterland

Posted in /texte_material, /ueber_amip on 22. Januar 2009 by amipgoe

Die weltweiten Kriegseinsätze der Bundeswehr beziehen ihre Ressourcen auch aus der südniedersächsischen Provinz: optische Zielsysteme der Firma Linos finden weltweit ihren Einsatz ebenso wie die Infrastruktur für Flüchtlings- und Militärcamps, die in der Unistadt Göttingen gefertigt werden. Doch es waren in den letzten Monaten vor allem die Werbeeinsätze der Bundeswehr, die den antimilitaristischen Protest neu auf den Plan riefen.

Es rumort im Hinterland, seit im vergangenen Februar 400 Musik-Soldaten in die Stadt einfielen zur „großen Militärmusikschau“. Einige Handvoll AntimilitaristInnen begegneten dem mit Transparenten und Flugblättern. Die Ausrichterin des Abends – eine stadteigene GmbH – reagierte mit einer Anzeige wegen Hausfriedensbruch. Wenig später schon konnte ein angekündigter dreitägiger Werbeeinsatz der Bundeswehr an einer berufsbildenden Schule verhindert werden. Obwohl sich selbst SchülerInnen gegen die Zwangsveranstaltung wehrten (oder vielleicht gerade deshalb), wurde auch hier Anzeige erstattet, von der Schulleiterin.

Der nächste Rekrutierungsversuch, diesmal direkt am Arbeitsamt, scheiterte ebenfalls. Der angekündigte Protest und eine während des EM-Endspiels verbreitete  Einladung zur Autogrammstunde mit Spielern der Herren-Nationalmannschaft am gleichen Ort, hatten zur Folge, dass nur wenige eigens geladene Gäste zu der Veranstaltung zugelassen wurden und ansonsten die Türen der Arbeitsagentur für Stunden versperrt blieben.
Kurz vor Weihnachten wurde das alljährliche Benefizkonzert des Göttinger Tageblattes mit dem Heeresmusikkorps aus Kassel durch ein großes Transparent vor der Bühne der Stadthalle eingeläutet: „Spiel mir das Lied vom Tod“ stand da, als die Soldaten zum ersten Marsch ansetzten.

Trotz Allem stehen in den nächsten Monaten weitere öffentliche Auftritte an. Dagegen mobilisieren mittlerweile mehrere Gruppen und Initiativen zusammen mit den in den letzten Monaten entstanden antimilitaristischen Zusammenhängen AMIP (antimilitaristischen Perspektiven), Bundeswehr: wegtreten! und dem Netzwerk gewaltfrei Leben. Im Februar startet die gemeinsame Veranstaltungsreihe „Krieg ist ihr Frieden“, die ihren Fokus auf die Kriegsstrategien der Nato und die Facetten der gesellschaftlichen Mobilmachung richtet. Das Ziel ganz klar vor Augen: Webeveranstaltungen sabotieren und der Nato die Geburtstagskerzen auspusten.